Grootmord

Die Augen der Maske

Erstmal ein ganz herzliches „Hallo“ an all die Leser, die sich hierher verirrt haben,
Mit dieser Geschichte haben wir an eine Art Fortsetzungsroman gedacht. 
Das bedeutet, dass es jede Woche, wenn möglich, ein neues Kapitel geben wird. „Die Augen der Maske“ soll Richtung Krimi gehen, vielleicht mit einem Hauch Komödie, aber das Beste daran ist: sie spielt an unserer Schule! Über eine produktive Rückmeldung von euch würden wir uns auf jeden Fall freuen!

 

Prolog

Der Tag, an dem der ganze Wahnsinn begann, war ein Montag.
Ironie des Schicksals?
Ich glaube nicht.
Montage sind extrem bissig. Das entspannte Wochenende war vorbei, man sollte sich aus den Betten und zur Schule quälen und jederman fieberte schon dem nächsten Wochenende entgegen.
An eben diesem Tag, der kurze Ziffernzeiger huschte auf die vier, hatte die Theater AG ihre Premiere. Gespannt auf das Theaterstück tuschelten die knapp achtzig Zuschauer, als das Licht der Aula langsam gedimmt wurde und alle gebannt auf die Bühne starrten. Zitternd kneteten die aufgeregten Schauspieler hinter der Bühne ihre Hände, als das Klavier anfing zuspielen. Schlagartig wurde es still und jeder lauschte gespannt den Klängen des Schulklaviers.
Das Stück begann mit einem C. Hell und klar hallte der Ton mehrere Sekunden durch den Raum. Das Publikum war wie verzaubert und als das Musikstück ihren Schlussakkord spielte, hatte Sofia, die Pianistin, auch den allerletzen Zuschauer auf ihrer Seite.
Das klackern eines Lackschuhs zerriss die Totenstille und Monja erklomm die Stufen zur Bühne. Jede Aufmerksamkeit galt ihr.
Es war gewiss nicht das erste Mal, das Monja auf der Bühne stand und vor so vielen Leuten spielte und trotzdem war sie nervös. Sie war nicht nur Leiterin der Theater AG, sondern hatte das Stück auch selber geschrieben.
„Wenn der Mond scheint“ hatte sie ihr Werk getauft und die sieben Mitglieder der AG hatten insgesamt vier Monate für diesen Moment fleißig geprobt.
Monja wusste, dass ihr Theaterstück keine lustige Komödie oder eine spannende Detektivgeschichte war. Sie hatte ein individuelles und tiefgründiges Theaterstück geschaffen.
„Ich heiße sie ganz herzlich bei der Premiere von ‚Wenn der Mond scheint‘ hier am Gymnasium Grootmoor willkommen!“ Ein paar Zuschauer klatschten verhalten und Monja streifte ihr schweißnassen Hände an ihrem weißem Kostüm, ab. „Du kannst das!“ wisperte ihre innere Stimme und das Theaterstück begann. Monja legte mit ihrem ersten Satz als Stella los, doch ihre Stimme war leise und ihre Haltung ängstlich. Kasper kam mit auf die Bühne und ein Ruck ging durch Monja. Und ab diesem Moment war Monja nicht mehr Monja, sie war Stella, fühlte wie Stella und sprach wie Stella. Sie gab ihrer Rolle Leben und das Stück flog nur dahin. Jede Rolle bekam ihren eigenen Hauch Leben.
Die zwei Stunden gingen im Nu vorbei und Monjas Theater AG hatte geschafft, was sich so viele Schauspieler wünschten, dass Publikum in eine neue Welt zu führen und zu fesseln. Und so sprach Monja als Stella ihre letzten Worte in die gebannte Stille.
„Also Lauf, lauf um dein Leben. Denn der Tod wartet nicht!“
Das war der Moment an dem Monja plötzlich entrückt in die Ferne starrte und ihre Beine nachgaben. Das Publikum war begeistert über diese Inszenierung, sprang von den Stühlen auf und klatschten ihre Handlächen fast wund.  „Zugabe!“ riefen einige und die anderen sechs Schauspieler traten auf die Bühne, um sich zu verbeugen.
Zuerst war Kasper nur wütend. Warum musste Monja auch so ein Drama machen und so tun als würde sie in Ohnmacht fallen? War die Hauptrolle nicht schon genug? Sie musste immer so ein Drama aus allem machen!
Doch Monja sprang nicht auf, verbeugte sich oder verteilte gar Küsschen an die Zuschauer, wie Kasper es erwartet hatte, sondern blieb stumm verdreht liegen. Okay, hier war definitiv etwas faul. Anscheinend hatte nicht nur Kasper das gemerkt. Besorgt kniete Carissa neben ihrer besten Freundin und zog ihr die bleiche Mondmaske ab, die sie als Stella getragen hatte. Kasper erschrak, denn Monja war so blass als wolle sie mit ihrer Maske konkurrieren. Auch das Publikum stellte fest, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Es brach ein Heidenlärm aus und Monjas Eltern stürmten auf die Bühne. „Jemand sollte einen Krankenwagen rufen!“ verlangte Carissa und wie in Trance rannte Kasper hinter die Kulisse und fischte sein Handy aus dem Haufen seiner Kleidung, die er für das Stück gewechselt hatte. Schnell wählte er einen Notruf und beantwortete den Sanitätern am Telefon die vielen lästigen W-Fragen.
Zehn Minuten später war der Krankenwagen da und Monja wurde auf eine Liege gelegt und in den Krankenwagen gehievt. Monjas Mutter und Carissa durften mit ins Krankenhaus fahren und die beiden erkundigten sich, ob Monjas Herz noch schlüge. Kurz schwieg der Sanitäter. „Ihr Herzschlag ist ziemlich unstabil“ gab er dann zu.
Während Kasper dem Krankenwagen hinterher starrte kam ihm der Satz von Stella alias Monja in den Sinn.
„Der Tod wartet nicht!“ Mit einer Gänsehaut wandte sich Kasper ab und machte sich Richtung Aula auf. Ein Gedanke quälte ihn. „Was war nur geschehen, Monja?!“
Komplett verlassen war die Aula und Kasper holte seine Sachen. Ein letztes Mal drehte er sich Richtung Bühne, Monjas Unfallort, und erschauderte. Die Bühne war leer, bis auf die weiße Maske. Es kam ihm  so vor, als würde die Maske ihn mit ihren eiskalten Augenhöhlen ansehen.

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