Grootmord

Anfang der Ermittlungen

Asche auf mein Haupt – ich weiß, ich bin viel zu spät. Dafür ist dieses Kapitel besonders lang und etwas untypisch.
Rückmeldungen wären große Klasse! 😉 glG

 

Die ganze Schule war geschockt und diverse Klassenchats standen in Flammen.
Nach zwei verheulten Tagen teils im Krankenhaus, teils allein zu Hause mit allen Folgen HIMYM, beschloss Carissa wieder in die Schule zu gehen. Donnerstag, erste beiden Stunden: Mathe. Na, das konnte ja heiter werden. Carissa zog ihr Handy aus der Tasche während sie auf den 27-Bus wartete.

whatsapp-messenger-logo16 neue Nachrichten: Klassenchat 9hhttps://smiley-bedeutung.de/wp-content/uploads/2016/01/rotes-herz-1.png

Klassenchat 9hhttps://smiley-bedeutung.de/wp-content/uploads/2016/01/rotes-herz-1.png

Melanie
Schon die Sache mit Monja ge
hört? http://washilftgegen.co/wp-content/uploads/2015/12/erstaunt-smiley-mit-offenen-mund.jpg

Kirstin
Ja!! Total schlimm! Die Arme liegt seit drei Tagen
im Koma!!!

Ben
WAAAS???

Melanie
Habe von der Polizei gehört, dass das kein Unfall
gewesen sein soll!!

Ben
Ich glaub’s kaum! Wtf, wer macht denn so ne Scheiße???

Leon
Wenn man das nur wüsste!! War wahrscheinlich Gift
oder so…

Kirstin
Manche Leute sind einfach nur krank im Hirn!!

Ben
Aber echt

Kasper
Jetzt stellt sich nur noch die Frage, WER ist so
krank im Hirn??!?

Melanie
Die Frage stell ich mir bei dir auch häufig, Kasper…

Kasper
Hmpf. Das war ernst gemeint. Wer sollte auf diese
bescheuerte Idee kommen und vor allem: Warum???

Lara
Kurze Frage: Hatten wir was in Mathe auf?

Leon
Auf diesem Arbeitsblatt Nr. 2-4 a,b,c

Lara
Shit!!

Ben
Kasper hat schon irgendwie Recht. Ich meine:
was ist der Grund? Warum sollte jemand das tun?

 

Carissa runzelte die Stirn. Daran hatte sie noch gar nicht gedacht!

 

   Du
Wer bitteschön sollte was gegen Monja haben,
sodass  er/sie sie vergiftet? Das ergibt doch keinen
Sinn! WER??

Leon
Carissa! Schön, dass du endlich antwortest,
wir haben uns alle Sorgen gemacht!

Kirstin
Was sagen die Ärzte??

Ben
Carissa!!

Kasper
Wie geht es Monja jetzt?

Du
Kein Stück besser. Es steht nicht gut.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter!

Tanja
Oh, Issy. Die ganze Situation ist so bizarr!

Du
Ich weiß

Melanie
Ich glaube, Issy braucht eine dicke
Tafel Zartbitterschokolade!!

Du
Oh, Melaniehttps://smiley-bedeutung.de/wp-content/uploads/2016/01/rotes-herz-1.png

Das Quietschen nicht geölter Bremsen war zu hören. Der Bus hielt und seine Türen öffneten sich zischend. Schnell stopfte Carissa ihr Handy in die ohne hin überfüllte Schultasche und zückte ihre HVV-Monatskarte. Der Busfahrer blickte nicht mal hoch und Carissa suchte sich schnell einen Platz ganz hinten.
Zwei Minuten später wurde sie auch schon von den Qualen des muffeligen Busses entlassen und Carissa schlurfte mit gesenktem Kopf Richtung Grootmoor. Als wäre das nicht genug, fing es in diesem Moment an wie aus Eimern zu schütten. Hatten Wolken eigentlich nichts Besseres zu tun, als Hamburg andauernd mit Regen zu nerven? Anscheinend nicht. Am Schultor wartete Melanie auch schon auf Carissa und umarmte sie einmal ganz fest, was in gewisser Weise ziemlich lustig aussah, da Melanie viel kleiner als Carissa war. „Hey“, grüßte Carissa leise und strich sich eine rote Locke hinters Ohr. Melanie lächelte nur und zog eine extra große Tafel Milka Zartbitterschokolade aus ihrem blauen Parker. „Versprochen ist versprochen!“, meinte sie und grinste noch breiter, „ich glaube, die futterst du ganz alleine in der ersten Pause als kleinen Trostspender!“ Da! Ein klitzekleines Lächeln auf Carissas viel zu blassem Gesicht. Mission completed, dachte Melanie. „Bestimmt nicht! Ich habe in den letzten Tagen viel zu viel Frustschokolade in mich hinein gestopft – vielleicht ein winzig kleines Stückchen!“ Die beiden machten sich zum H-Gebäude auf und sahen plötzlich Kasper, der laut winkend auf sie zu rannte. „CARISSA!!! Melanie!“, rief er aufgewühlt, „das müsst ihr euch ansehen!“
Ohne weitere Worte hielt er ihnen sein Handy unter die Nase und Carissa las stockend.

JUMP! Die Schülerzeitung des Grootmoor

„Wow!“, flüsterte Melanie, die über Carissas Schulter mitgelesen hatte. Natürlich auf Zehenspitzen. „Da haben die ihren Artikel aber schnell rausgehauen! Mit dem Artikel über Monja werden sie bestimmt diesen Preis bei der Welt bekommen mit den 5.000 €. Warte! Da ist ein Rechtschreibfehler, ha! Und noch einer! Boah, da musste jemand aber viel und schnell unter Druck geschrieben haben! So viele Fehler! Hier unten: Polizist Heinz Pfeiffer mit ie!“ Carissa überging Melanies Kommentar einfach und las sich den Artikel weiter durch. „Hat die Polizei überhaupt gesagt, dass es kein Unfall war? Typisch Zeitung, übernehmen gleich das, was sie denken, als Fakt!“, murmelte sie und Kasper nickte aufgeregt. „Wir werden der Sache auf die Spur gehen. Gleich heute werden wir zur Chefredaktion gehen. Dieser…“, er schielte auf sein Handy, „Liev Burckhardt!“ Carissa blickte ihn zweifelt an und Kasper hob entschuldigend die Hände. „Ich weiß, ich weiß, das erledigt die Polizei, aber wir können hier nicht tatenlos rumstehen! Carissa, Melanie! Monja ist eure beste Freundin, wollt ihr nicht herausfinden, wer sie in das Koma gebracht hat? Es steht schlecht um Monja!“ Carissa seufzte. „Gut. Dann spielen wir eben Detektiv!“ Kasper grinste die beiden Freundinnen an und schob seine Hände zufrieden in die Taschen seiner braunen Lederjacke. Melanie kratze sich am sommersprossenüberfluteten Nasenrücken. Ein Zeichen, dass sie nervös war. „Sorry“, nuschelte sie, „ich habe heute Babysitten und habe Tanja versprochen, mit ihr Deutsch zu lernen, du weißt schon, morgen ist die Arbeit…! Außerdem ist mir das Ganze nicht ganz geheuer.“ Typisch, Melanie, dachte Kasper, verpisst sich, sobald es spannend wird! Carissa nickte verständnisvoll. „Kein Prob…“ Laut schallte die Schulklingel und unterbrach sie. Schüler rauschten an ihnen vorbei ins H-Gebäude. „Lass später reden“, sagte Kasper und die Drei machten sich zum Matheunterricht auf.
Kasper saß wie auf Kohlen im Unterricht. Er konnte es gar nicht erwarten, Liev zu befragen. Soweit er wusste, besuchte sie die 10. Klasse und war seit einem Jahr Chefredakteurin von JUMP, der Schülerzeitung des Grootmoors. Außerdem hatte er sich vorgenommen, sich die Studiobühne mit Carissa unter den Nagel zu reißen. Irgendwo musste doch noch ein Hinweis auf den Täter sein! Irgendwo… „Kasper?“ Er schreckte hoch und Herr Vogt sah ihn erwartungsvoll an. Oh man! Quadratische Gleichungen waren noch nie meine Stärke!
Eine Schokolade und eine Pause später grübelte auch Carissa über den Zusammenbruch ihrer Freundin nach. Das hatte sie die letzten zwei Tage zwar auch schon, aber Kasper hatte sie mit seinem Endeckerdrang angesteckt.  Er hat wahrscheinlich recht! Irgendwo muss es doch Spuren geben! Niemand der Beiden war so richtig im Unterricht dabei, aber die Lehrer konnten es ihnen nicht mal verübeln.
Nach den anstrengendsten letzten beiden Stunden, die Kasper je hatte – dabei war es PGW gewesen! – packte er Carissa einfach am Arm und zog sie aus dem Klassenraum. Carissa riss sich los. „Hey! Was soll das?“ rief sie und rieb sich den Arm. „Hör zu!“, flüsterte Kasper, obwohl das gar nicht nötig war, „ich habe nachgeguckt: Liev hatte bis eben zwei Stunden Physik. Wir müssen sie abfangen!“ Carissa nickte eifrig und erinnerte Kasper an einen fleißigen Pudel. Einen großen rothaarigen Pudel. Der Pudel schulterte ihre Schultasche und folgte Kasper ins Fachgebäude. Eine Gruppe von Schülerinnen verließ es gerade süffisant lachend. „Hast du sein Gesicht gesehen? Oh man, ich war kurz davor, vor Lachen zu sterben!“, rief eine komplett in pink gekleidete Asiatin und machte eine Grimasse. Als wäre die rosa Farbexplosion nicht perfekt, pfriemelte das Mädchen noch ein quietschrosa Cherrykaugummi aus ihrer Rocktasche. Wenn man das Stück Stoff überhaupt als Rock bezeichnen konnte – es erinnerte eher an einen Gürtel. Ihre Freundinnen stöckelten ihr in mörderischen Absätzen hinter her, zogen Grimassen und präsentierten ihre Oral-B Beißerchen beim lauten Lachen. Nur das eine Mädchen runzelte, ein wenig abseits von ihren Freundinnen, die Stirn und schaute besorgt auf ihr Handy. Liev Burckhardt. „Hey Liev!“, rief Kasper ihr zu, „hast du vielleicht eine Minute?“
Wie Dominosteine setzte er damit eine Kette an verrückten Ereignissen in Gang, als sie hoch blickte und die Beiden freundlich anlächelte, nur wussten Kasper und Carissa davon noch nichts!

Previous post

Die Schulstunde - ein Gedicht aus dem Unterricht

Next post

"...Tische lagen auf dem Boden, Fenster sperrangelweit offen!"